16. März 2010

Schockerlebnis

Gestern früh, am Montagmorgen, machte ich mich wie immer auf den Weg zur Arbeit. Wie die letzten Wochen schon musste ich dank einer ungünstigen Baustelle vor meiner Haustür in Kombination mit etlichen Einbahnstraßen erst einmal einen Umweg fahren. Endlich in der richtigen Richtung unterwegs, wartete ich ungeduldig als erstes Auto an einer roten Ampel. Als sie umschaltete, bog ich auf meiner Spur ab. Während ich um die Kurve bog, wurde meine Aufmerksamkeit von zwei Fußgängerinnen angezogen, die beide von der rechten zur linken Straßenseite wechseln wollten. Die eine machte zwei Schritte vor, sah einen nahen Wagen aus der anderen Richtung kommen, trat wieder zurück, sah in meine Richtung und wartete.

Die andere macht ebenfalls zwei Schritte vor, sieht ebenfalls den Wagen aus der anderen Richtung und bleibt, schon halb auf meiner Spur, stehen. Sie trägt eine dicke Winterjacke, die Kapuze gegen den Nieselregen tief ins Gesicht gezogen. Irgendwie fällt mir auf, dass sie sich auf ihre Hände konzentriert - vermutlich ein MP3-Player. Während ich auf sie zufahre, denke ich mir: "Mann, kann die nicht ein paar Schritte zurückgehen? Steht mitten auf der Straße...!" Da ist der Wagen aus der anderen Richtung vorbei, ich bin vielleicht noch fünf oder zehn Meter von ihr entfernt. Sie hebt flüchtig den Blick, sieht den anderen Wagen passieren - und läuft los.

Wie genau ich reagiere, kann ich gar nicht sagen. Als mein Auto nach der Vollbremsung zum Stehen kommt, steht es leicht schräg über beide Spuren, also muss ich wohl ausgewichen sein. Ich habe das Bild vor Augen, wie die junge Frau den Kopf und die Arme hochreißt - und einen furchtbaren, endlosen Augenblick lang weiß ich nicht, ob sie aus Schreck so reagiert oder ob sie von meinem Auto getroffen wurde. Doch sie steht auf Höhe meines Beifahrer-Fensters, und obwohl sie genauso panisch aussieht wie ich vermutlich gerade, gibt sie mir auf mein hektisches "Sind Sie ok?!?" mit Handzeichen und Mimik zu verstehen, dass ihr nichts passiert ist, und geht nach kurzem Blickkontakt zurück auf den Gehsteig und weiter in ihre Richtung.

Es kommt mir vor wie Minuten, doch wahrscheinlich vergehen nur wenige Sekunden, bis ich mit zitternden Knien Gas geben kann. Einige Meter weiter am Straßenrand halte ich, um auszusteigen und mich zu versichern, dass es ihr gut geht. Sie ist schon weitergelaufen, ich erreiche sie nicht mehr. Die andere Fußgängerin bestätigt mir jedoch, dass der jungen Frau nichts passiert ist. Immer noch zitternd steige ich wieder ein und versuche, meinen Atem und Herzschlag zu beruhigen.

So froh war ich noch nie, als ich endlich in der Arbeit ankam und mein Auto abstellen konnte! Eigentlich hätte ich einen Schnaps anstelle des üblichen Kaffees gebraucht...

11. März 2010

The Demon's Lexicon - Sarah Rees Brennan

Der Zirkel des Dämons - The Demon's LexiconGenre: Young Adult / Urban Fantasy
Bewertung: 4 von 5
Deutsche Ausgabe: Der Zirkel des Dämons
Keine Spoiler im Text.

Handlung: Die Brüder Nick und Alan sind schon ihr ganzes Leben auf der Flucht vor bösartigen Magiern, die ihre Macht erhalten, indem sie Dämonen unschuldige Menschen opfern. Nicks und Alans Mutter gehörte einst zu diesen Magiern. Sie floh mit einem wertvollen Talisman, ist aber seither geistesgestört. Eines Tages erhalten die beiden Brüder eine Nachricht, dass die Magier das Versteckspiel satt haben und nun mit vereinten Kräften Jagd auf sie machen. Verzweifelt versuchen Alan und Nick den Spieß umzudrehen und herauszufinden, was die Magier wirklich wollen.

Meine Meinung: Die Erzählung erfolgt aus Sicht des gefühlskalten Nick. Sarah Rees Brennan schafft es, seine tiefe Beziehung zu seinem Bruder trotzdem gut darzustellen, ohne jemals wirklich Gefühle zu beschreiben, keine einfache Aufgabe. Die große Überraschung gegen Ende kam zwar nicht mehr ganz überraschend, aber zumindest am Anfang des Buchs ahnt man noch nicht im Geringsten, wie sich die Handlung entwickeln wird, und es bleibt durchgehend spannend.

Trotzdem kann ich "The Demon's Lexicon" nicht die volle Punktzahl geben, denn das ganze Setting, von den Personen (Brüder, einer ruppig und gefühlskalt, einer fürsorglich) über das Handlungsgerüst (fliehen vor Magiern / Dämonen) und selbst die große Überraschung am Schluß erinnern extrem an "Nightlife" von Rob Thurman (deutsch: "Nachtgeister", Juni 2010), das bereits 2006 erschien.

Fazit: Für sich genommen ein sehr gut geschriebenes, spannendes Buch mit sympathischen Hauptfiguren. Wem "The Demon's Lexicon" gefällt, sollte aber unbedingt auch "Nightlife" lesen. =)

10. März 2010

Musical "Tarzan" in Hamburg

Als wären die letzten Wochen nicht schon anstrengend genug gewesen, hatte ich mir noch zusätzlich in den Kopf gesetzt, einen Geschäftstermin in Hamburg mit einem Besuch bei "Tarzan" zu verbinden. Wenn ich schließlich schon einmal in der Stadt bin, bietet sich das doch an, richtig? Dass ich dafür den Rückflug um 6:00 Uhr früh nehmen musste, um dann pünktlich direkt vom Flughafen aus in die Arbeit zu gehen, nahm ich gerne in Kauf.

Die Neue Flora hatte ich bisher erst einmal vor ca. 15 Jahren besucht, damals lief dort noch das "Phantom der Oper". Wie das Theater an die Bedürfnisse des neuen Musicals angepasst wurde, ist wirklich einmalig... angefangen bei einem grünen Teppich mit modernen, urwaldähnlichen Mustern, über bespielbare Wände mit Lianenbehängen bis zu einem Seilzugsystem für die Darsteller, das sich gefühlt über die komplette Decke erstreckte.

Ich war eine halbe Stunde zu früh im Theater und konnte dadurch den Zuschauerraum und die "Pre-Show" gut auf mich wirken lassen: man wird empfangen von Trommeln, Wind-, Wasser- und Dschungelgeräuschen. Ein halbdurchsichtiger Vorhang ist über die komplette Bühne gespannt, darauf das Bild des Unglücksschiffes; der Vorhang hebt und senkt sich und ahmt so perfekt die Bewegungen eines Schiffes auf stürmischer See nach. Eine Projektion an den Wänden zeigt mehrere Einträge aus dem Kapitänslogbuch. All das schafft von Anfang an die perfekte Atmosphäre für das Stück, obwohl es noch nicht einmal begonnen hat. =)

Nach der üblichen Begrüßung aus dem Off folgte eine längere Pause, als man normalerweise gewöhnt ist, die Musik und Hintergrundgeräusche liefen weiter – bevor ohne Vorwarnung mit einem plötzlichen Donnerschlag und grellen Lichtblitz das Stück begann und die Zuschauer mit in den Sturm gezogen wurden. Sehr netter Schockeffekt. =)

Gleich zu Beginn folgten dann auch ein paar der effektreichsten Szenen, als sich das Elternpaar aus dem Meer rettet und den Strand erreicht – nicht wie sonst auf dem Boden der Bühne, sondern mithilfe von Seilzügen mitten auf der hinteren Bühnenrückwand! Die Szene wirkte so überwältigend, und als dann noch der Übergang in den Dschungel kam und die ersten "Affen" an Seilen über die Bühne sprangen und flogen... da war es schon um mich geschehen. In der Ouvertüre habe ich bisher bei noch keinem Musical geweint... außer bei Tarzan. ;-)

Was so stark angefangen hatte, setzte sich durchgängig fort. Die Darsteller waren super (allen voran Terk ^^), die Choreografien sehr akrobatisch und wunderschön, und die Musik natürlich sowieso klasse. Einziger kleiner Kritikpunkt für mich war, dass die Story nicht so tiefgründig ist wie z.B. bei Wicked – aber das liegt nunmal an der Story selbst und nicht an der Umsetzung, die war einfach nur toll. =)

Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich es mir auf jeden Fall noch einmal ansehen – dann aber von etwas weiter hinten, Reihe 6 oder 7 vielleicht... Ich hatte diesmal einen Platz in Reihe 2, der zwar absolut fantastisch war, um das Geschehen auf der Bühne zu verfolgen, aber es findet auch viel über den Köpfen der ersten Reihen statt, was man dann natürlich nicht gut mitbekommt. Fazit jedenfalls: absolut sehenswert... *schwärm*

9. März 2010

Kurzer Aikido-Update

Der Stress der Musicalvorbereitungen nahm in den letzten Wochen vor den Aufführungen solche Ausmaße an, dass ich es nicht einmal mehr zum Aikido-Training schaffte. Nun wo die Vorstellungen vorbei sind *schnüff* war ich zum ersten Mal seit zwei oder drei Wochen wieder im Training und stellte fest, dass sich erst einmal die Munatsuki Koteoroshi-Technik leicht verändert hat, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe. Dummerweise hat mein Körper die vorherige Variante schon halbwegs abgespeichert, so dass ich mir gerade wirklich schwer tue, grummel.
Ansonsten steht demnächst im April die Prüfung zum 4. Kyu an! =) Da ich die vergangenen Wochen ausgesetzt habe, fühle ich mich noch ziemlich unvorbereitet. Naja, wird schon werden, es ist ja schließlich noch ein bisschen Zeit...

4. März 2010

Die Musicalvorstellungen sind vorbei

Der Höhepunkt dieses Jahres für mich, und gleichzeitig auch der Grund, warum dieses Blog die letzten Wochen stillgelegt wurde, ist nun vorbei: unsere Musicalvorstellungen, die mich seit September 2009 extrem in Beschlag genommen hatten, fanden am vergangenen Wochenende statt. Ein kurzer Rückblick...

Der Mittwoch begann um 8 Uhr mit dem Aufbau des Bühnenbilds und der Licht- und Ton-Technik in der Halle. Der Vormittag verlief relativ entspannt; als dann aber nachmittags nach und nach die restlichen Darsteller und Eltern eintrudelten, rannte ich bald auf der Suche nach Antworten und Problemlösungen nur noch von einer Ecke in die andere, immer mit einem Klemmbrett für meine Notizen unter dem Arm, ohne das ich in kürzester Zeit verloren gewesen wäre: insgesamt 3 Seiten Notizen, Anmerkungen und Verbesserungen kamen im Endeffekt zusammen.
Mit nur einer Stunde Verspätung begann um 19 Uhr am Mittwochabend die Generalprobe, gegen 23:30 Uhr waren wir endlich fertig. Es wurde ein einziges Desaster - Texthänger am laufenden Band, verpasste Einsätze, chaotische Tänze, fehlende Requisiten, unglückliche Darsteller und genervte Bühnenbauer. Glücklicherweise hatte ich das aus der Erfahrung der vergangenen Jahre heraus schon erwartet und konnte halbwegs gelassen und positiv bleiben. Mein häufigster Satz an diesem Abend: "Ich weiß, es wird morgen klappen - aber ich glaube es erst, wenn ich es sehe." =)

Am Donnerstag, dem Tag der Premiere, ging es wieder morgens um 8 Uhr weiter: einige Bühnenteile mussten noch einmal neu gestrichen werden, wir verpassten unserer Bühnenrückwand eine hübsche weiße Leinwand, damit die darauf projizierten Hintergründe besser zu sehen waren, und zahlreiche Kleinteile mussten noch fertiggestellt werden. Die letzte Technik wurde angebracht, die Lichteinstellungen programmiert, die Bühne mit schwarzem Molton verkleidet, alles noch einmal geputzt – und ich hatte natürlich immer mein Klemmbrett dabei. ;-) Und dann war es plötzlich abends und die ersten Zuschauer standen schon vor der Tür.

Zeit für Lampenfieber hatte ich nicht - kurz vor der Vorstellung nahm ich mir zwei Minuten Zeit und ging kurz allein hinter die Halle, um überhaupt mal zu mir zu kommen und den Stress der letzten Tage loszulassen.

Dann begann die Musik, der Vorhang ging auf ... und plötzlich klappte alles. Licht, Projektionen und Musik liefen wie am Schnürchen, wir konnten unseren Text, die Bühnenteile standen auf den richtigen Plätzen, die Tänze funktionierten, das Publikum fieberte mit, weinte und lachte. Bei den wenigen problematischen Stellen waren wir so aufeinander eingespielt und improvisierten so gut, dass wir die Situation jedes Mal retten konnten, ohne dass die Zuschauer überhaupt etwas mitbekamen.
Selbst als bei unserem Stockkampf in der vorletzten Vorstellung der Stock unseres "Helden" zerbrach, konnten wir das so geschickt überspielen, dass ich im Nachhinein nur gefragt wurde, ob er denn angesägt gewesen wäre.

Das Gefühl von Triumph, Erleichterung, Freude und Stolz am Abend nach der ersten Vorstellung lässt sich kaum beschreiben - ich weiß nur noch, dass ich kaum aufhören konnte, zu lachen und zu weinen und meinen Leuten um den Hals zu fallen.

Und nun ist es also vorbei... und ich weiß nicht, soll ich mich freuen, weil ich in den kommenden Wochen endlich einmal ausspannen kann, oder soll ich weinen, weil ich die Bühne und die enge Zusammenarbeit mit meinen Leuten so vermisse. Aktuell würde ich jedenfalls am liebsten losheulen. =(