29. April 2009

Viel zu nett...

... bin ich schon lange. Aus Angst davor, jemandem wirklich weh zu tun, ebenso wie vor der dann zu erwartenden Reaktion, halte ich mich beim Angreifen immer zurück. Für unseren Anfängerlevel genügt der Angriff wohl trotzdem, aber wenn ich unsere Lehrerin mit voller Wucht angreifen soll, ist es schwierig bis unmöglich für mich, diese Blockade zu überwinden.

Das kam gerade letzten Freitag und Sonntag öfters zum Vorschein. Am Freitag widmeten wir uns einem neuen Flow Drill, der nicht wie bisher nur mit abzuwehrenden Schlägen arbeitet, sondern darüber hinaus auch zwei Schläge beinhaltet, die (leicht) treffen sollen. Zusätzlich zu der komplizierten Bewegungsfolge musste ich mich also jedesmal darauf konzentrieren, nicht zu früh abzubremsen, sondern tatsächlich durchzuziehen - ein echter Horror für mich, der damit endete, dass ich die Schläge an einem Kissen üben durfte, um überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Man soll es kaum glauben, aber ich habe vor einigen Jahren einige Monate lang Kickboxen trainiert - wobei meine Trainingspartner wirklich sehr vorsichtig waren und große Rücksicht auf mich nahmen. Das Aufwärmen dort begann mit Box-Sparring. Die wenigen Male, wo einer meiner Schläge wirklich traf, erschrak ich so sehr, dass ich die Kampf-Situation vollkommen vergaß und mich besorgt entschuldigte...

Ich hege die Hoffnung, dass mich Aikido über die Jahre davon kuriert, denn am Sonntag schaffte ich es kurzzeitig, das Nett-sein abzuschalten.

Wir trafen uns am Sonntag zu dritt für einige Stunden Uke-Training. Zunächst wiederholten wir unsere Tsuzukiwaza (wir zwei Ukes haben jeweils zwei feste Tsuzukiwaza, die wir angreifen dürfen, bei mir eben unter der Voraussetzung, dass ich meine Kondition verbessere), anschließend die Tsuzukiwaza, die nicht wir angreifen werden, und zum Abschluß noch die 2-gegen-1/3-gegen-1-Techniken und ein kleines Randori.
Dann wandten wir uns den Punkten zu, die noch am stärksten verbesserungsbedürftig sind. Bei mir war das - neben der Tatsache, dass ich bereits im ersten Tsuzukiwaza nach der vierten Technik kaum noch Luft bekomme - vor allem mein Angriff, der aus dem Ikkyo zum Nikkyo führen soll. Offenbar schaltet mein Körper nach dem Ikkyo bereits um auf "Ich habe Angst, ich will hier weg" und möchte eigentlich nicht mehr angreifen. Also arbeiteten wir daran, mir das auszutreiben... was dazu führte, dass ich aus dem Ikkyo einen voll durchgezogenen Schlag mit dem Ellbogen Richtung Solarplexus führen sollte. Panik, Blockade - es ging nicht.
Letztendlich schafften wir es mit einem dicken Kissen zwischen uns, dass ich zumindest das Kissen mit voller Wucht treffen konnte. Sobald wir es wegließen, war die Blockade anfangs wieder da - nach mehrmaligen Versuchen und gutem Zureden traute ich mich aber doch, und siehe da, die Technik funktionierte viel besser als vorher und natürlich wurde niemand dabei verletzt.

Ich hoffe, mein Körper lernt daraus, dass es ab und zu auch ok ist, nicht nett zu sein...

Kommentare:

aikido-sillys-worldblog hat gesagt…

ohhh, schwieriges Thema richtig Angreifen.
Mann nennt das auch "Schlaghemmung" zu meiner Zeit als JJ Trainer hab sowas mit Sandsack- oder Pratzentraining versucht zu ändern.
Zum Beispiel; Stell dir vor, beim Angriff schlag von der Seite, das du den ersten Angriff als Ablenkung benutzt um mit der zweiten Hand irgendwie an das Opfer zu bringen (zum Beispiel als Wurfeingang oder für einen zweiten Schlag) Dann hast du eigentlich einen guten Angriff gestartet. Ich zeig dir das gerne wenn du zum Lehrgang nach Berlin kommst. Liebe Grüße Sily P.s. Frag mal dein Sensei darüber aus!!!!^^

alexiel hat gesagt…

Oh ja, sehr gerne - ich bin für jede Hilfe dankbar! =)
Wir arbeiten auch bereits daran... Allerdings habe ich kein Problem damit, heftigst auf Kissen/Pratzen/Boxhandschuhe einzuschlagen, nur sobald ein echter Mensch dasteht, geht es nicht mehr. Ich bin mir auch absolut sicher, dass sich die Hemmung in einer echten Gefahrensituation nicht einstellen würde...
Nur für's Training ist es hinderlich. Naja: üben, üben, üben! ;-)