7. April 2009

Japan-Urlaub: Kyoto 1. Teil

Als wir in Kyoto ankamen, waren wir von unserem Tag in Nara so durchgefroren, dass das Abendessen Curry gerade recht kam zum Aufwärmen. Curry oder genauer gesagt Karee-Raisu besteht aus Reis mit Currysauce, nach Wunsch zusätzlich mit Gemüse oder Fleisch. Die Schärfestufe war frei wählbar, wobei mein Curry mit Stufe 2 gerade noch essbar war... ich will gar nicht wissen, wie sich Stufe 10 anfühlt!

Karee-Raisu = Reis mit Currysauce und Gemüse
Früh am nächsten Tag starteten wir unser Programm mit einem Besuch des Sanjuusangen-do, mit 120 m Länge die längste Holzhalle der Welt (nicht zu verwechseln mit dem Todai-ji, das war die "größte" ;-) ). Sie beherbergt 1.001 Statuen der Kannon-Gottheit und wird nebenher für Bogenschieß-Wettbewerbe benutzt. Besonders beeindruckte mich die Geschichte eines jungen Schützen, der vor 400 Jahren in 24 Stunden gut 13.000 Pfeile abschoss, von denen 8.000 ihr Ziel trafen, und damit den Sieg errang - das sind 9 Pfeile pro Minute, Pausen noch nicht einmal eingerechnet!

Der Sanjuusangen-do-Tempel mit 120 m Länge
Anschließend ging es weiter zum Nijo-jo, einem Shogun-Palast aus dem 17. Jahrhundert. Am interessantesten fand ich, dass der komplette Palast von einem Gang mit Nachtigallen-Parkett (ein Parkett, das auf besondere Weise mit schief eingeschlagenen Nägeln befestigt ist, so dass es quietscht sobald Gewicht darauf kommt) umgeben ist. Ich kannte den Begriff zwar vorher schon aus Büchern, hatte es mir aber immer nur um den wichtigsten Raum eines Palastes herum vorgestellt, vielleicht das Schlafzimmer oder die Schatzkammer - hier ging der Gang um den kompletten Palast herum, in drei oder vier Metern Breite! Und das Geräusch der darüber laufenden Touristengruppen klang sogar tatsächlich (mit ein bisschen Fantasie ^^) nach einem Nachtigallenchor.
Neben dem quietschenden Parkett war aber auch der Palast selbst sehenswert: alle Wände und Schiebetüren zierten wunderschöne 200 Jahre alte Malereien - Vögel, Bäume, Tiger, Kirschblüten und nebelige Berglandschaften, je nach Verwendungszweck des Raumes. Der "Thronsaal" oder Empfangssaal wurde übrigens in "Last Samurai" für die Szenen verwendet, in denen der Kaiser die Ausländer empfängt... allerdings bin ich mir leider nicht sicher, ob tatsächlich vor Ort gedreht wurde oder der Raum 1:1 nachgebaut wurde.

Der Shogunpalast in Kyoto, Nijo-jo, von außen
Unsere nächste Station war der "Goldene Pavillon" Kinkaku-ji, dessen obere Stockwerke tatsächlich komplett vergoldet sind. Er liegt in einem netten kleinen See mit Baum-Inselchen inmitten eines förmlich Ruhe ausstrahlenden Gartens inklusive Wasserfall. Hier gibt es wieder einmal eine leckere Spezialität: Dango, kleine Reismehlkuchen am Spieß, mit Schokoladen-Guss und Bohnen-, Sesam- und grüner Tee-Paste. Äußerst empfehlenswert. =)

Der Goldene Pavillon Kinkaku-ji in Kyoto, umgeben von einem idyllischen See
Der letzte Programmpunkt sah einen Besuch des Kyoto Handicraft Center vor - ein Shopping-Paradies für Touristen auf der Suche nach kitschigen Souvenirs, praktisch ein Einkaufszentrum für japanische T-Shirts, Bücher, Keramik, Kimonos, Schuhe, Schmuck usw. usw. Vorgesehen war eigentlich eine Stunde... im Endeffekt blieben wir zwei Stunden und kamen vollbepackt mit Andenken zurück ins Hotel. Ich bin sonst nicht der Fan von Kitsch-Souvenirs, aber wer weiß, ob und wann ich jemals wieder nach Japan komme.

Auch das Abendessen erwies sich als Abenteuer: wir suchten uns zufällig ein Restaurant in der Umgebung unseres Hotels, an dem das Essen vorab an Automaten mit bebilderten Tasten bestellt und bezahlt wurde - anschließend gab man dem Kellner den Beleg und bekam das Essen serviert. Lecker war es auf jeden Fall, aber bis wir das System durchschaut hatten, dauerte es ein wenig... ;)

Teilnahme an einer Teezeremonie; ratet, wer von uns beiden das länger macht! ;-)

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