29. April 2009

Viel zu nett...

... bin ich schon lange. Aus Angst davor, jemandem wirklich weh zu tun, ebenso wie vor der dann zu erwartenden Reaktion, halte ich mich beim Angreifen immer zurück. Für unseren Anfängerlevel genügt der Angriff wohl trotzdem, aber wenn ich unsere Lehrerin mit voller Wucht angreifen soll, ist es schwierig bis unmöglich für mich, diese Blockade zu überwinden.

Das kam gerade letzten Freitag und Sonntag öfters zum Vorschein. Am Freitag widmeten wir uns einem neuen Flow Drill, der nicht wie bisher nur mit abzuwehrenden Schlägen arbeitet, sondern darüber hinaus auch zwei Schläge beinhaltet, die (leicht) treffen sollen. Zusätzlich zu der komplizierten Bewegungsfolge musste ich mich also jedesmal darauf konzentrieren, nicht zu früh abzubremsen, sondern tatsächlich durchzuziehen - ein echter Horror für mich, der damit endete, dass ich die Schläge an einem Kissen üben durfte, um überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Man soll es kaum glauben, aber ich habe vor einigen Jahren einige Monate lang Kickboxen trainiert - wobei meine Trainingspartner wirklich sehr vorsichtig waren und große Rücksicht auf mich nahmen. Das Aufwärmen dort begann mit Box-Sparring. Die wenigen Male, wo einer meiner Schläge wirklich traf, erschrak ich so sehr, dass ich die Kampf-Situation vollkommen vergaß und mich besorgt entschuldigte...

Ich hege die Hoffnung, dass mich Aikido über die Jahre davon kuriert, denn am Sonntag schaffte ich es kurzzeitig, das Nett-sein abzuschalten.

Wir trafen uns am Sonntag zu dritt für einige Stunden Uke-Training. Zunächst wiederholten wir unsere Tsuzukiwaza (wir zwei Ukes haben jeweils zwei feste Tsuzukiwaza, die wir angreifen dürfen, bei mir eben unter der Voraussetzung, dass ich meine Kondition verbessere), anschließend die Tsuzukiwaza, die nicht wir angreifen werden, und zum Abschluß noch die 2-gegen-1/3-gegen-1-Techniken und ein kleines Randori.
Dann wandten wir uns den Punkten zu, die noch am stärksten verbesserungsbedürftig sind. Bei mir war das - neben der Tatsache, dass ich bereits im ersten Tsuzukiwaza nach der vierten Technik kaum noch Luft bekomme - vor allem mein Angriff, der aus dem Ikkyo zum Nikkyo führen soll. Offenbar schaltet mein Körper nach dem Ikkyo bereits um auf "Ich habe Angst, ich will hier weg" und möchte eigentlich nicht mehr angreifen. Also arbeiteten wir daran, mir das auszutreiben... was dazu führte, dass ich aus dem Ikkyo einen voll durchgezogenen Schlag mit dem Ellbogen Richtung Solarplexus führen sollte. Panik, Blockade - es ging nicht.
Letztendlich schafften wir es mit einem dicken Kissen zwischen uns, dass ich zumindest das Kissen mit voller Wucht treffen konnte. Sobald wir es wegließen, war die Blockade anfangs wieder da - nach mehrmaligen Versuchen und gutem Zureden traute ich mich aber doch, und siehe da, die Technik funktionierte viel besser als vorher und natürlich wurde niemand dabei verletzt.

Ich hoffe, mein Körper lernt daraus, dass es ab und zu auch ok ist, nicht nett zu sein...

27. April 2009

Bestanden!

Die Prüfung am Donnerstag war eine sehr schöne Angelegenheit: alle 4 Prüflinge (3x 5. Kyu, 1x Shokyu = die erste Ki-Prüfung) bestanden. Trotz Nervosität, Prüfungsangst, ungewohnten Zuschauern und körperlicher Anstrengung hatten wir keine größeren Probleme, sondern im Gegenteil auch noch richtig Spaß, zumindest in meinem Fall. =)

Auch unsere anschließende Feier war wieder recht lustig - neben lautstarken Verhandlungen, um Tomaten gegen Pinienkerne zu tauschen oder den letzten Windbeutel zu ergattern, entwickelten wir sogar einen neuen Angriff: "Budouotaberu" oder auf deutsch "Uke will die letzte verbleibende Weintraube von Nages Schokofrucht-Spieß stibitzen"; die Technik wäre dann entweder ein Schaschlikspieß-Irimi oder wahlweise auch das Spucken von Zahnstochern, soweit vorhanden. =D

Spaß beiseite, es war einfach toll zu sehen, wie wir alle uns in den vergangenen 15 Monaten weiterentwickelt haben.

23. April 2009

Daumendrücken!

In zwei Stunden findet unsere Gürtelprüfung zum 5. Kyu statt... Ich dachte, ich würde nicht nervös, schließlich fühle ich mich relativ wohl mit den Techniken (zumindest meinem Niveau angemessen). Nix war's, so langsam bekomme ich doch weiche Knie.
Also Daumendrücken, bitte! =)

22. April 2009

Geburtstagstext

Blog-Jubiläum
Ein Text. Nicht irgendein Text, ein Text zum Geburtstag!

Sich selbst zum Geburtstag gratulieren, ist das nicht etwas arrogant? Naja, es bin aber ja nicht ich, die Geburtstag hat und 1 Jahr alt wird, sondern mein Blog, das ich so langsam sowieso als eigenständiges Wesen betrachte. Es schreit nach Futter, wenn es vernachlässigt wird, und ab und zu schnurrt es und reibt sich an meinen Beinen, um gestreichelt zu werden. (Bitte was?! ^^)

Nun, also dann, ein Text zum Geburtstag.

Frei nach Aaron Allston:
1. Schritt: Rekapituliere, wer alles hier ist, nur für den Fall, dass es jemand vergessen hat.
2. Schritt: Rekapituliere, was du tust.
3. Schritt: Etwas Persönliches, damit alle wissen, dass du aufpasst.
4. Schritt: Und jetzt schnell zum Ende bringen, bevor du dich blamierst.

Liebe Leser (das seid ihr =D), ich danke euch für eure Besuche und Kommentare!

Vor genau einem Jahr habe ich meinen ersten Post verfasst. Damals hatte ich noch Zweifel, ob ich es länger durchhalte... Zum Festhalten meiner Gedanken - nicht unbedingt in einer festgelegten Ordnung und nicht unbedingt immer zusammenhängend - hat die Kombination aus Tagebuch, Lernnotizen und Kommunikationsplattform ihre Faszination für mich aber bisher beibehalten.

Gerade eure Ermutigungen, als ich bei unserer Ki-Prüfung an mir zweifelte, und als ich zögerte, an meinem ersten Aikido-Lehrgang teilzunehmen, haben mir ehrlich geholfen. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich alles hier weiterentwickelt und was die Zukunft bringt!

20. April 2009

Sportliches Wochenende

Die Nachwirkungen des Wochenendes: ein Mittelfußknochen im linken Fuß, der irgendwie nicht ganz so sitzt wie er sollte und sich hoffentlich bald wieder einrenkt; Muskelkater in beiden Oberschenkeln und im rechten Oberarm; und ein blauer Fleck am Steißbein. Wovon...? ;-)

Das Aikido-Training am Freitag lief noch sehr glimpflich ab - Flow Drills zu zweit sind immer nett und gottseidank nur wenig anstrengend. ^^ Das anschließende Prüfungsvorbereitungstraining war mit nur einer Mit-Trainierenden schon recht schweißtreibend, dafür aber auch sehr ergiebig, was meine Unsicherheiten (besonders das stabile Stehen bei Udefuri choyaku waza) anging.

Am Samstag wurde es dann aber richtig heftig... Zunächst 1,5 Stunden Uke-Training für mich und eine weitere Schülerin, mit je 3 Tsuzukiwazas zum Aufwärmen und anschließend einem ersten Einblick in die 2-gegen-1-Techniken und ins Randori. Sehr spannend, und natürlich machte es trotz der Anstrengung großen Spaß. =)

Im Anschluß ging es weiter mit drei Stunden Stocktraining - unser erster Kontakt mit dem Jo. Wir stiegen unerwartet schnell in die 22er Kata ein und kamen immerhin bis Schritt 8. Im Vergleich zum Schwert fühlt sich der Jo für mich irgendwie natürlicher an - ich hatte jedenfalls deutlich weniger Probleme mit der Haltung und den Bewegungen. ;) Dafür ist bei mir der Yokomenuchi (ein seitlicher Schlag Richtung Kopf) zu steil angesetzt... naja, daran lässt sich arbeiten! =)

Und weil ich nach fünf Stunden Aikido scheinbar noch Energie übrig hatte, zog ich mich schnell um und legte meine "Kriegsbemalung" für einen kleinen Auftritt meiner Musicalgruppe an. Die Tänze klappten und die Stimmung war super - aber ich stieß dabei an meine Grenzen... Meine Beine waren eigentlich zu müde, um noch die schweren High-Heel-Army-Stiefel hochzuheben, und auch meine Arme hatten keine rechte Lust mehr, sich zu strecken. ;)

Der Sonntag fing sehr gemütlich an, erst am Nachmittag fuhr ich mit dem Fahrrad die 11 km zu meinem Sportverein, um ein weiteres Musical-Training zu halten. Ein wenig zu früh dran, nutzte ich die halbe Stunde gleich aus, um die Jo-Kata zunächst mit einem Besenstiel zu wiederholen. Dann fiel mein Blick auf die 5 m lange Stange zum Öffnen der Turnhallenfenster... =)) Ja, auch damit geht es - irgendwie. =) Und weil ich immer noch ein wenig Zeit hatte, packte mich der Ehrgeiz, zu überprüfen, wie weit meine Rollen sind. Zwar stehen in der Halle auch Matten zur Verfügung, aber ich versuchte es auf dem normalen Turnhallenboden. Gut, komplett schmerzfrei sind sie noch nicht (meine Schulter und Hüften sind noch viel zu hart) - aber immerhin lebe ich noch. ;-)

Das Musicaltraining selbst wirkte dagegen fast schon wieder entspannend - wir waren nur zu fünft, um den Sprechtext der Hauptrollen zu üben; dadurch ging es recht konzentriert voran. Zum Abschluß des Wochenendes schließlich fuhr ich mit dem Fahrrad wieder zurück, fiel aufs Sofa und bewegte mich keinen Zentimeter mehr. ;-)

17. April 2009

Katzenfotos

Ohne viele Worte, dafür mit extrem hohen Knuddelfaktor: neue Fotos von Angel und Arwen! =)






15. April 2009

Vollgepackter Dienstag-Abend

Vorwarnung: ich muss noch die Technik-Bezeichnungen für die Prüfung üben, bitte nicht über die zunehmend japanischen Begriffe wundern! ;)
Das Aikido-Training am Dienstag bestand praktisch nur aus Seiza (auf den Knien sitzen): direkt nach den Rollübungen ging es los mit Zagi ryotetori kokyunage irimi (auf den Knien sitzen, beide Hände festhalten, den Angreifer umwerfen), zunächst mit einhändigen Übungen, bis wir schließlich wieder die eigentliche Technik mit beiden Händen ausführten.

Das anschließende Musical-Tanz-Training war mal wieder ein extremer Kontrast - laut, schnell, konfrontativ (weil häufig unterschiedliche Meinungen zu bestimmten Tanzschritten vorhanden sind). Da muss ich mir dringend etwas einfallen lassen... Wobei die momentanen Choreografien nicht von mir selbst stammen, weshalb ich die Tänze weniger gut kann als andere, die ich selbst entworfen habe, und manchmal mehrere Meinungen einholen muss. Dabei sind Diskussionen praktisch vorprogrammiert. Die Lösung wäre also wohl, mich besser vorzubereiten und die Tänze erstmal selbst zu können. *seufz*

Anschließend spielten wir noch zu dritt eine Runde Munchkin Impossible- mein erster Kontakt mit diesem wirklich lustig gemachten Karten-Rollenspiel. Zitat einer Kartenbeschriftung: "Regenschirm (Bonus +1) - darf nur von Briten verwendet werden." oder "Selbst wenn du keine Klasse hast, hast du trotzdem eine Klasse - denn Briten haben immer Klasse." =)

Als ich dann gegen Mitternacht zu Hause war, fiel mir noch auf, dass mein Blog in genau einer Woche - am 22. April - ein Jahr alt wird. ;) Also musste ich mir noch kurz etwas überlegen für dieses außergewöhnliche Ereignis *hüstel* - und ich habe auch schon eine Idee und gottseidank noch 7 Tage Zeit für die Umsetzung. ;-)

14. April 2009

Aikido-Update

Read this post in English!

Nach einem längeren Ausflug nach Japan wird es dringend Zeit für ein Update zum Thema Aikido! =) Die vorgezogene Prüfung am 02. April lief sehr gut für die Geprüfte, sie bestand ohne Probleme. Als Uke hatte ich richtig Spaß: die Konzentration war praktisch greifbar und das Tempo deutlich schneller als im Training.

Der Prüfungstermin für die anderen vier Prüflinge (mich eingeschlossen) ist Donnerstag, der 23. April. Interessanterweise freue ich mich richtig darauf... =) Auch wenn es einige Punkte gibt, bei denen ich noch sehr unsicher bin (hauptsächlich die Tests zu den Hitori waza und der Eingang der Katatedori Ikkyo irimi-Technik aus der Bewegung), fühle ich mich bei den Techniken gut vorbereitet.

Ansonsten kämpfe ich weiterhin mit der Auflage, meine Kondition bis zum Herzogenhorn-Lehrgang im September auf Vordermann zu bringen... bisher hat sich da noch nicht viel getan. Aber nun habe ich sozusagen in höchster Verzweiflung mein Fahrrad aus der Garage meiner Eltern geholt und fahre 4x pro Woche zur Arbeit, das macht immerhin 70 km pro Woche. Meinen Beinen geht es sogar relativ gut dabei (v.a. wenn man bedenkt, dass ich es vorher 6 Jahre lang nicht mehr benutzt hatte), nur mein Sitzfleisch beschwert sich noch. Wenn diese Maßnahme konditionstechnisch nicht hilft, weiß ich auch nicht... ;)

7. April 2009

Japan-Urlaub: Kyoto 2. und letzter Teil

Und so begann unser letzter Tag in Japan... Morgens hieß es wieder einmal früh aufstehen, denn wir wollten vor dem Ansturm der Schulklassen den Kiyomizu-dera, den "Tempel des reinen Wassers", besuchen. Er liegt auf einem Hügel am Rand von Kyoto mit wunderbarem Blick auf die Stadt. Das Highlight - neben den Fußabdrücken Buddhas, durch deren Anblick man ohne Umwege direkt ins Paradies gelangt - ist die überkragende hölzerne Terrasse des Tempels, die auf einem sage und schreibe 13 m hohen Holzgerüst ruht.

In den kleinen Gässchen, die zu dem Tempel führten, entdeckte ich noch etwas anderes: ein winziger Laden mit T-Shirts, CDs, Autogrammkarten etc. von japanischen und koreanischen Bands, an dessen Markise zwei T-Shirts von X-Japan hingen. An diesem Laden konnte ich natürlich nicht vorbeigehen... =)

Ein Laden mit T-Shirts von Hide / X Japan
Zu Fuß marschierten wir den Hügel hinab durch einige schöne kleine Straßen vorbei an dem Garten des bekanntesten Koi-Züchters in Japan in Richtung des Gion-Viertels. Hier finden sich traditionell die Ausbildungsstätten der Geishas und Meikos... ehrlich gesagt gab es jedoch hier abgesehen von einigen hübschen kleinen Häusern recht wenig zu sehen.

Ein... äh... Samurai-Hund? =)
Deshalb hielten wir uns in Gion auch nur kurz auf, bevor es weiterging zum Tempel Eikan-do, der berühmt ist für seinen Steingarten, die Statue eines über die Schulter blickenden Buddha und eine besonders hübsch gewundene Treppe, die "Treppe des sich windenden Drachens". Man merkt es meiner Schilderung vermutlich an: zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits so viele Tempel und Schreine besichtigt, dass ein wenig Ermüdungserscheinungen eintraten. Trotzdem war natürlich jedes Gebäude für sich genommen immer noch sehenswert, und die jeweilige Umgebung immer wieder etwas anderes und immer wieder schön.

Detail eines liebevoll gestalteten Daches
Zum Abschluss unserer Tour fuhren wir zum Heian-Tempel, der durch seine übereinandergeschichteten Türmchen noch einmal ein ganz eigenes Gesicht zeigt. Hier fand trotz Regenwetters das Setsubun-Fest statt - die Dämonen des Winters werden ausgetrieben, indem man sie mit Bohnen bewirft. Eingelullt von den sonst so geordnet wartenden und in rechtwinkligen Schlangen anstehenden Japanern landeten wir irgendwie ganz vorne in der Menschenmenge, die darauf wartete, dass die Würdenträger des Tempels, unterstützt von einigen herausgeputzten Meikos, die Bohnen in die Menge warfen. Sobald die ersten Bohnenpäckchen flogen, rasteten die Menschen um uns herum aus - so etwas habe ich bisher nicht einmal auf Metal-Konzerten erlebt! Ich selbst kam ohne Blessuren davon, mein Regenschirm allerdings geriet unter die Füße der tobenden Menge und musste dran glauben. ;-)

Der Heian-Tempel in Kyoto
Zur Feier des letzten Abends gingen wir gemeinsam in eine Izakaya essen, eine japanische Kneipe mit großem Speisenangebot. Das Essen dort war wirklich ausnahmslos lecker - und die Menge schlichtweg überwältigend: nach einem kleinen Vorspeisensalat und riesigen Schüsseln eines Tofu-Fisch-Fleisch-Nudel-Eintopfes waren wir anfangs noch guter Dinge. Als dann aber nach und nach weitere Salate, ein Reiseintopf, Sashimi, mariniertes Rindfleisch, mehrere Sorten Fleischspießchen, viel japanisches Bier und Sake und natürlich noch eine leckere Nachspeise aufgetischt wurden, mussten wir uns wohl oder übel geschlagen geben.
Ich mache das Bier und den Sake dafür verantwortlich, dass wir irgendwann testeten, ob wir mehr als die ersten beiden Zeilen der "Ode an die Freude" zustande bringen würden... die Antwort lautet, ja, wir kannten den Text der ersten beiden Strophen und sogar die Melodie dazu... ;o)

Die Reste (!) unseres leckeren Abendessens in der Izakaya
Und damit wäre mein Bericht der zehntägigen Rundreise durch Japan am Ende angelangt. Ich konnte mich überzeugen, dass ich auch ohne weitreichende Sprachkenntnisse halbwegs zurecht komme und das Land tatsächlich so faszinierend ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nun steht einem selbst organisierten Urlaub - oder vielleicht ein Sprachurlaub...? - also nichts mehr im Wege! =)

Japan-Urlaub: Kyoto 1. Teil

Als wir in Kyoto ankamen, waren wir von unserem Tag in Nara so durchgefroren, dass das Abendessen Curry gerade recht kam zum Aufwärmen. Curry oder genauer gesagt Karee-Raisu besteht aus Reis mit Currysauce, nach Wunsch zusätzlich mit Gemüse oder Fleisch. Die Schärfestufe war frei wählbar, wobei mein Curry mit Stufe 2 gerade noch essbar war... ich will gar nicht wissen, wie sich Stufe 10 anfühlt!

Karee-Raisu = Reis mit Currysauce und Gemüse
Früh am nächsten Tag starteten wir unser Programm mit einem Besuch des Sanjuusangen-do, mit 120 m Länge die längste Holzhalle der Welt (nicht zu verwechseln mit dem Todai-ji, das war die "größte" ;-) ). Sie beherbergt 1.001 Statuen der Kannon-Gottheit und wird nebenher für Bogenschieß-Wettbewerbe benutzt. Besonders beeindruckte mich die Geschichte eines jungen Schützen, der vor 400 Jahren in 24 Stunden gut 13.000 Pfeile abschoss, von denen 8.000 ihr Ziel trafen, und damit den Sieg errang - das sind 9 Pfeile pro Minute, Pausen noch nicht einmal eingerechnet!

Der Sanjuusangen-do-Tempel mit 120 m Länge
Anschließend ging es weiter zum Nijo-jo, einem Shogun-Palast aus dem 17. Jahrhundert. Am interessantesten fand ich, dass der komplette Palast von einem Gang mit Nachtigallen-Parkett (ein Parkett, das auf besondere Weise mit schief eingeschlagenen Nägeln befestigt ist, so dass es quietscht sobald Gewicht darauf kommt) umgeben ist. Ich kannte den Begriff zwar vorher schon aus Büchern, hatte es mir aber immer nur um den wichtigsten Raum eines Palastes herum vorgestellt, vielleicht das Schlafzimmer oder die Schatzkammer - hier ging der Gang um den kompletten Palast herum, in drei oder vier Metern Breite! Und das Geräusch der darüber laufenden Touristengruppen klang sogar tatsächlich (mit ein bisschen Fantasie ^^) nach einem Nachtigallenchor.
Neben dem quietschenden Parkett war aber auch der Palast selbst sehenswert: alle Wände und Schiebetüren zierten wunderschöne 200 Jahre alte Malereien - Vögel, Bäume, Tiger, Kirschblüten und nebelige Berglandschaften, je nach Verwendungszweck des Raumes. Der "Thronsaal" oder Empfangssaal wurde übrigens in "Last Samurai" für die Szenen verwendet, in denen der Kaiser die Ausländer empfängt... allerdings bin ich mir leider nicht sicher, ob tatsächlich vor Ort gedreht wurde oder der Raum 1:1 nachgebaut wurde.

Der Shogunpalast in Kyoto, Nijo-jo, von außen
Unsere nächste Station war der "Goldene Pavillon" Kinkaku-ji, dessen obere Stockwerke tatsächlich komplett vergoldet sind. Er liegt in einem netten kleinen See mit Baum-Inselchen inmitten eines förmlich Ruhe ausstrahlenden Gartens inklusive Wasserfall. Hier gibt es wieder einmal eine leckere Spezialität: Dango, kleine Reismehlkuchen am Spieß, mit Schokoladen-Guss und Bohnen-, Sesam- und grüner Tee-Paste. Äußerst empfehlenswert. =)

Der Goldene Pavillon Kinkaku-ji in Kyoto, umgeben von einem idyllischen See
Der letzte Programmpunkt sah einen Besuch des Kyoto Handicraft Center vor - ein Shopping-Paradies für Touristen auf der Suche nach kitschigen Souvenirs, praktisch ein Einkaufszentrum für japanische T-Shirts, Bücher, Keramik, Kimonos, Schuhe, Schmuck usw. usw. Vorgesehen war eigentlich eine Stunde... im Endeffekt blieben wir zwei Stunden und kamen vollbepackt mit Andenken zurück ins Hotel. Ich bin sonst nicht der Fan von Kitsch-Souvenirs, aber wer weiß, ob und wann ich jemals wieder nach Japan komme.

Auch das Abendessen erwies sich als Abenteuer: wir suchten uns zufällig ein Restaurant in der Umgebung unseres Hotels, an dem das Essen vorab an Automaten mit bebilderten Tasten bestellt und bezahlt wurde - anschließend gab man dem Kellner den Beleg und bekam das Essen serviert. Lecker war es auf jeden Fall, aber bis wir das System durchschaut hatten, dauerte es ein wenig... ;)

Teilnahme an einer Teezeremonie; ratet, wer von uns beiden das länger macht! ;-)

2. April 2009

Allererste Aikido-Prüfung

Heute abend findet unsere erste Aikido-(Technik-)Prüfung zum 5. Kyu statt! Eigentlich ist die Prüfung für den 23. April geplant, da aber eine von uns an der Hand operiert wird und noch nicht weiß, ob sie rechtzeitig wieder fit ist, darf sie ihre Prüfung vorziehen, mit mir als Uke (Angreifer)! =) Gerade eben fiel mir nur auf, wie sehr ich mich schon darauf freue... =)

1. April 2009

Japan-Urlaub: Nara

Mit dem Shinkansen ging es am nächsten Tag über einen kurzen Zwischenstopp in Kyoto nach Nara. Im Zug konnten wir feststellen, dass sogar Betrunkene in Japan irgendwie höflicher sind als bei uns... Von einem solchen bekamen wir Malzbonbons und Kekse geschenkt, da er sich so freute, mit jemandem reden zu können. Zitat laut unserer Reiseleiterin: "Ich weiß, ihr versteht kein Wort von dem, was ich sage - aber völlig egal, es geht nur um's Gefühl!"

Pagode in Nara, Japan
In Nara trafen wir auf eine japanische Freundin unserer Reiseleiterin, die sich bereit erklärt hatte, uns zu begleiten und unsere Fragen zum japanischen Alltag zu beantworten. In einer Mischung aus Englisch, Japanisch und Deutsch hatten wir viel Spaß mit den üblichen Themen Wetter, Reiseprogramm, Deutschland und Japan. Es klappte wieder ganz gut - nur einmal versuchte ich zu übersetzen, dass ein Mitreisender gerade über Känguruhs geredet hatte, und sagte stattdessen "Er sprach gerade mit Känguruhs", sehr zur Erheiterung unserer Japanerin. Das "ni tsuite" werde ich so schnell nicht mehr vergessen... =)

Zu Mittag aßen wir Schweineschnitzelchen auf Reis mit einem Berg Frühlingszwiebeln und natürlich Wasabi. Faszinierende Mischung, sehr lecker! Nur als der Wasabi zwischen den Frühlingszwiebeln vergessen und komplett aufgegessen wurde, gab es ein paar unangenehme Minuten. ;-)

Eines von 1200 zahmen Rehen in Nara
Nara ist u.a. berühmt für seine 1200 mehr oder weniger zahmen Rehe - und die waren wirklich allgegenwärtig! Auf dem Weg zum Todai-ji (der größten Holzhalle der Welt mit einem ebenso riesigen Tor) wurden wir von den Rehen sogar so abgelenkt, dass uns das Tor praktisch erst auffiel, als wir schon davor standen. Beim Anblick des Tempels selbst hatten wir wieder einmal einen "Wow!"-Moment - die Fotos in Reiseführern usw. können nicht im entferntesten vermitteln, wie groß er wirklich ist. Der Todai-ji beherbergt neben der größten Buddhastatue Japans auch das "Nasenloch Buddhas": ein Loch in einer Säule, durch das ein Kind gerade so durchpasst - wer es schafft, hindurch zu krabbeln, dem ist das Paradies sicher. Diese Ecke des Tempels fühlte sich daher eher an wie ein Kinderspielplatz... =)

Ein kleineres Eingangstor zum Todai-ji-Tempel
Riesengroß: der Todai-ji in Nara
Anschließend besichtigten wir noch einen weiteren Tempel mit unzähligen Steinlaternen. Viele davon waren von Moos überwuchert und bewirkten eine urtümliche, verwunschene Atmosphäre. Allerdings war das Wetter inzwischen so kalt geworden, dass wir mit klappernden Zähnen nur noch ungeduldig auf den Bus warteten - da kam der Hinweis, dass es an den Getränkeautomaten nicht nur kalte, sondern auch heiße Getränke gibt, genau richtig! Eine tolle Erfindung... (natürlich äußerst schlecht für die Umwelt, da die Automaten Unmengen von Strom fressen - aber trotzdem ist eine heiße Dose Kakao zum Händewärmen im Winter einfach toll. ^^)

Ein Wald von Steinlaternen
Mit dem (warmen) Zug ging es anschließend zurück nach Kyoto, wo wir noch kurz den beeindruckenden Hauptbahnhof durchquerten und uns von Taxis weiter zum letzten Hotel unserer Japan-Reise, dem l'Aranvert, bringen ließen.

Next Stop: Kyoto!
(Und damit folgt auch der letzte Teil des Japan-Berichts, danach geht es weiter mit dem normalen Programm... ;-))