23. März 2009

Japan-Urlaub: Hiroshima

Ein Highlight des Abends in Hiroshima: hier hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, etwas länger japanisch zu sprechen - mit der sehr netten Besitzerin der Okonomiyaki-Theke. Scheinbar schaut unsere Reiseleiterin dort öfters mit deutschen Gruppen vorbei, wodurch die Besitzerin uns Ausländern gegenüber wirklich sehr aufgeschlossen war und auch von sich aus versucht hat, uns ins Gespräch zu verwickeln. Im Hintergrund lief "Wer Wird Millionär" auf japanisch, so dass es zumindest schonmal ein gemeinsames Gesprächsthema gab - daneben ging es noch viel ums Wetter, was wir bereits gesehen hatten und wie unsere Pläne für die nächsten Tage aussahen. Auch wenn die Themen an sich natürlich auf Anfängerniveau blieben, war die Erfahrung wirklich motivierend (genug, dass ich mich nun endlich einmal festgelegt und mir vorgenommen habe, dieses Jahr den JLPT4, einen internationalen offiziellen Japanisch-Test, zu machen).

Ebenfalls am ersten Abend hatten wir viel Spaß beim gemeinsamen Ausprobieren von "Puri-Cula". Puri-Cula kommt von "Print Club" und bezeichnet Fotos, die man direkt vor Ort noch an einem Touch-Screen ausschmücken und bemalen kann. Als wir das System erst einmal begriffen hatten (bzw. es uns von zwei japanischen Schülerinnen zeigen ließen - peinlich, peinlich), verbrachten wir unglaublich lustige 30 Minuten mit dem gegenseitigen Verzieren mit Hasenohren, bunten Brillen, Perücken, und natürlich jeder Menge Smilies, Herzchen und Blümchen. Definitiv eine Marktlücke hier in Deutschland... =)

Ausblick vom Hotel auf den Peace Memorial Park
Nachdem es bei unserer Ankunft in Hiroshima bereits dunkel gewesen war, konnten wir den tollen Ausblick von unserem Hotel erst beim Frühstück am nächsten Tag bewundern: über den grünen Friedenspark und einen kleinen Fluß konnte man bis zum Atombombendom sehen. Dieser Eindruck blieb mir von Hiroshima auch am stärksten in Erinnerung: die Verbindung von grauenhafter Vergangenheit und optimistischer, lebendiger Gegenwart.

Austernbänke zwischen Hiroshima und Miyajima
An diesem Morgen fuhren wir zunächst mit Zug und Fähre nach Miyajima, einer wunderschönen Insel vor Hiroshima, vorbei an dem berühmten Torii im Meer. Hier begegneten wir zum ersten Mal einigen Rehen, die uns Menschen aber eher skeptisch betrachteten, solange wir nicht etwas zu (fr)essen in der Hand hielten. Zu Besichtigen gab es hier unzählige Schreine, Tempel, Pagoden usw. - wir beschränkten uns auf den Itsukushima-Schrein am Meeresufer und einen sehr interessanten Sammelsurium-Tempel, den Daisho-in, wo man in einem stockdunklen Gang unter einem Tempelgebäude hindurch einen "Blick ins Paradies" erhaschen kann.

Das berühmte Torii im Meer
Zurück auf dem Festland ging es weiter zum Peace Memorial Park, der Friedensgedenkstätte für die Opfer der Atombombe. Der Park ist sehr grün gehalten, was ein wenig hilft, das Thema zu verarbeiten. Vom Läuten der Friedensglocke über das Sadako-Denkmal für die verstorbenen Kinder bis zur ewigen Flamme geht es eher um eine Mahnung an zukünftige Generationen. Trotzdem geht das Ganze natürlich gewaltig unter die Haut.
Das Museum selbst jedoch befasst sich ausführlich mit Hintergründen, Technik, Auswirkungen und natürlich der Bombe selbst. Anfangs noch sehr pathetisch, was auf eine gewisse Weise half, die Bilder nicht an sich heranzulassen, war es für mich bei der Ausstellung von Besitztümern, Fotos und Einzelschicksalen vorbei und die Tränen flossen schließlich doch.

Friedensmahnmal im Peace Memorial Park in Hiroshima - mit Regenbogen
Es fiel schwer, sich nach diesen Eindrücken nicht einfach im Hotelzimmer zu verkriechen. Wir hatten uns jedoch vorgenommen, auf eigene Faust noch zur Burg von Hiroshima zu laufen, und wollten den Plan nicht aufgeben. Durch Zufall entdeckten wir auf dem Weg dorthin noch ein architektonisch faszinierendes Nobel-Einkaufszentrum (sieben schneckenförmig aufsteigende Stockwerke) und eine unterirdische Einkaufsmeile unterhalb der Hauptverkehrsstraßen.

Die Burg selbst hatte zwar leider schon geschlossen, doch man kam durch einen menschenleeren Park bis zum Gebäude selbst, das inmitten eines breiten Burggrabens - komplett mit 80 cm großen Koi-Karpfen - im Scheinwerferlicht wunderschön und gewaltig wirkte.
Ein weiteres Fundstück vor der Burganlage: für westliche Augen ungewohnt wirkende Toilettenschilder... wenn man da kein Englisch kann oder gut mit Kimono und Hakama vertraut ist, hat man ein Problem! =)

Auch japanische Toilettenschilder sind (manchmal) anders... ;-)

17. März 2009

Japan-Urlaub: Himeji

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Am nächsten Morgen machten einige von uns nochmals von den Onsen Gebrauch, dann brachte uns der Bus zum Shinkansen-Bahnhof in Shin-Fuji. Diesmal hatten wir einen neueren Shinkansen mit nur 2 Sitzen nebeneinander - da machte das Bahn-Fahren gleich deutlich mehr Spaß. Bemerkenswert, neben der Durchschnittsgeschwindigkeit von 280 km/h, dass sich sowohl der Schaffner als auch die Stewardess beim Betreten und Verlassen eines Waggons pauschal verbeugten. Normalerweise fiel mir das Verbeugen schon gar nicht mehr auf, man wippte automatisch sogar schon selbst mit, wenn man sich bedankte oder entschuldigte - aber das wirkte dann doch etwas extrem. ;-) Unser Ziel für diesen Tag: Himeji mit seiner wunderschönen "Burg des weißen Reihers". Am Bahnhof wurden wir stilecht von einem Glockenspiel der Bremer Stadtmusikanten (!) empfangen...

Die Bremer Stadtmusikanten am Bahnhof von Himeji, Japan
Nach einem kurzen Zwischenstopp, um uns Schirme zu kaufen - wir hatten zum ersten Mal schlechtes Wetter und Regen - ging es weiter zur Burg. Sie erhebt sich majestätisch auf einem kleinen Hügel inmitten der ebenen Stadt, so dass man vom fünfstöckigen Hauptturm aus einen tollen Rundumblick hat.

Blick von der Burg des weißen Reihers auf Himeji
Das Innere ist noch komplett erhalten - Himeji ist eine der wenigen Burgen, die nicht abgebrannt ist und danach wieder aufgebaut wurde. Zwar wurde auch hier renoviert, aber das dunkle Holz, aus dem die gesamte Burg gebaut ist, ist noch original und wirkt dementsprechend sehr edel. In einem Stockwerk befindet sich zusätzlich eine Ausstellung von Samurai-Rüstungen und -Waffen, Gemälden und Schriftstücken aus der Ursprungszeit der Burg. Die Treppen zwischen den Stockwerken sind ungewohnt steil - mit teilweise äußerst ungünstigen Querbalken, bei denen nicht nur große Gaijins, sondern auch normal gewachsene Menschen ;-) den Kopf einziehen müssen - der Balken verläuft bei mir ungefähr auf Schulterhöhe...

Der fünfstöckige Hauptturm der Burg von Himeji
Neben dem beeindruckenden Hauptturm der Burg gibt es noch eine kleine Gartenanlage und den Wohnbereich in einer Burgmauer zu besichtigen. Am Ende eines langen Ganges mit zahlreichen originalen Holz-Schiebefenstern und abzweigenden Zimmern war ein Raum nachgebaut, wie er vor 300 Jahren ausgesehen haben könnte: Tatami-Matten als Boden, einige wenige, einfach gehaltene Möbelstücke, bewohnt von der Prinzessin und einer Hofdame, die mit Muscheln ein Spiel auslegen (vielleicht eine Art Memory?). Schön gemacht, und auf jeden Fall auch einen Blick wert.

Restauriertes Zimmer der Burg von Himeji: ob es einmal wirklich so ausgesehen hat?
Nun ging es zurück zum Bahnhof und mit dem Shinkansen weiter nach Hiroshima zum Hotel Sunroute direkt neben dem Peace Memorial Park. Dazu und zu Miyajima folgt der nächste Post - nur noch kurz zu unserem Abendessen: wir fielen mit unserer gesamten Reisegruppe zu vierzehnt im Okonomimura ein und probierten Okonomiyaki - darauf hatte ich mich sehr gefreut, und ich wurde nicht enttäuscht! Allein schon die Menge an Zutaten, die alles in dieser Art Omelett verschwindet: ein dünner Teigboden, ein riesiger Berg Weißkohl, ein weiterer Berg gebratener Nudeln, Bacon, Shrimps, Frühlingszwiebeln, ein Spiegelei zum Zusammenhalten obenauf und darauf noch Sauce und Kräuter. Schmeckt irrsinnig lecker - nur das Ding mit Stäbchen halbwegs gesittet zum Mund zu bringen fand ich so gut wie unmöglich. Aber solange es schmeckt... =)

Leckere Okonomiyaki im Okonomimura in Hiroshima

5. März 2009

Japan-Urlaub: Kamakura, Fuji-san

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... und es geht weiter mit der Japan-Rundreise! =)

Der nächste Tag begann mit einer der, meiner Meinung nach, schönsten Sehenswürdigkeiten: dem Daibutsu in Kamakura, einer 13m hohen Bronzestatue eines meditierenden Buddha, die knapp 800 Jahre alt ist. Was die Statue in meinen Augen so besonders macht, ist die friedliche, in sich ruhende Ausstrahlung und die Weite der offenen Landschaft um sie herum.

Der Daibutsu in Kamakura
Ebenfalls in Kamakura besichtigten wir den Hase-Kannon-Tempel. Zunächst fiel uns auf, dass die Pflaumenbäume dort bereits ein bisschen blühten – im Januar, wohlgemerkt! Auch die Koi-Karpfen im Teich unter den Pflaumenbäumen hielten keinen Winterschlaf mehr (naja, halten Koi überhaupt Winterschlaf? Hmm... ^_^). Auf dem Gelände befanden sich viele kleine Tempel bzw. Gebetsstätten (eine sogar in einer Höhle), ein Bambuswäldchen (mit mehr als armdicken Stämmen, toll) und überall Statuen von Gottheiten. Alles in allem durch die Mischung sehr interessant.

Im Hase-Dera in Kamakura
Von Kamakura aus fuhren wir mit dem Bus weiter zum Ashi-See mit seinem atemberaubenden Ausblick in Richtung Fuji-san. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter – dank der klaren Sicht verstehe ich nun, warum die Japaner ihren Fuji-san so verehren. Selbst wenn ich normalerweise mit Bergen nicht viel anfangen kann, muss ich definitiv zugeben, dass der Fuji-san einfach wunderschön ist.

Blick über den Ashi-See zu einem Torii und dem Fuji-san
Der Fuji-san
Wir setzten mit einem nachgebauten Piratenschiff (!) über den See. Auf der anderen Seite angekommen brachte uns der Bus nach einem kurzen Zwischenstopp in dem vulkanisch aktiven "kochenden Tal", wo wir in Schwefelwasser gekochte Eier probierten (die Schale verfärbt sich dadurch schwarz, das Ei ist aber innen normal weiß und lecker ^_^), zu unserem zweiten Hotel, dem Jiragonno Fuji-no-Yakata. Dort ergriffen wir die Gelegenheit, in einem echten Onsen zu baden, natürlich inklusive einer original japanischen Sitzdusche vorher. ;-) Eine wirklich nette Sache, sehr entspannend nach einem langen Tag!

Schwarzes gekochtes Ei - bringt 7 Jahre Lebenserwartung! =)